Mittwoch, 19. Oktober 2011

Die Rockies rocken

Hmmh. Nun ist auch schon die Zeit in den Rockie Mountains vorbei. Manchmal möchte man echt die Zeit anhalten.
Mit Übernachtungsstops in Harrison Hot Spring, Cache Creek und 2x Golden ging es nach Lake Louise. Als ich in Golden verweilte, erkundete ich ein wenig den Glacier National Park. Ich wollte ursprünglich einen längeren Trail laufen, aber irgendwie landete ich auf einem anderen Weg. Aber der hat mir an diesem Tag bei dem Wetter auch gereicht. Der Trans Canada HWY ist einfach nur wunderschön. Das war auch der Grund, weshalb ich solange bis in die Rockies brauchte, ich stoppte ja überall und wollte genießen.
In Field besorgte ich mir zunächst meinen Parkausweis, ohne den man in den Nationalparks sich mit dem Auto nicht fortbewegen darf. Hier bekam ich auch noch den heißen Tipp, die Takakkaw Falls und den Moraine Lake in meinen heutigen Tagesplan einzubauen, da die Straßen dorthin morgen ihre Pforten schließen. Doch zunächst ging es zum Emerald Lake und der Natural Bridge. Graaaaaandios dieser Tag. Ein Abstecher nach Banff folgte am nächsten Morgen. Ich wusste zunächst nicht, ob ich nur mal dort vorbeischaue oder auch Tage dort verbringe, aber mehrere Leute, die ich so in meiner Wellenlänge wähnte, meinten ich solle lieber für Jasper mehr Tage einplanen. Um es vorweg zu nehmen, sie hatten völlig recht. Dann kam der erste Schnee und Regen dazu und Liane entschloss sich zu einem Faulenzertag. Mit Mom & Dad geskypt mit Roland geskypt und ein paar Karten geschrieben. Dann ging es weiter nach Jasper. Aber zuvor musste ich mir noch den Lake Louise reinziehen. Richtig cool mit dem Schnee. Eine Stunde später machte ich mich über den Icefield Parkway Richtung Jasper auf. Kraaaas diese 250 Kilometer. Am Columbia Icefield hielt ich dann zum x-ten Mal auf dieser Strecke an und fuhr auf den Athabascar Gletscher. Nach sieben Stunden passierte ich das Jasper Eingangsschild. Am nächsten Morgen taten Claudia aus München, die ich bereits in Lake Louise traf und auch den Weg nach Jasper fand und ich uns zusammen. Wir packten noch Anton aus Rotterdam ein und hatten als Tagesziel den Mt. Edith Carvell ausgemacht. Wir schafften es bis nach ganz oben und Anton´s Füße, die halb abgefroren waren, überlebten diesen Tag auch irgendwie. Von 2.500 m Höhe hatten wir einen geilen 360 Grad Ausblick über die Rockies. Eine lockere Tour absolvierten wir am nächsten Tag. Mit dabei neben Claudia noch Melanie aus Frankreich und Lukas aus Deutschland. Der Magline Lake wurde inspiziert und anschließend der Maligne Canyon. Sooooo schön. Am Lake setzten wir noch Ansgar ab. Dieser crazy Guy aus Germany hatte sich den Skyline Trail ausgesucht und zog mit mindestens 25 kg Gepäck los - es ging ja zunächst nur 900 Höhenmeter bergan - und wollte am übernächsten Tag wieder auftauchen. Am Abend war Barbeque Time. Mit zwei Kanadiern aus Edmonton grillten wir bei Eiseskälte, aber Lilli wollte unbedingt draußen essen. Mit einem Lagerfeuer ging ein toller Tag zu Ende. Chillen hieß es am Sonntag und während dieser Phase, stand Ansgar plötzlich hinter mir. "Hallo." "Hä? Duuuuu wolltest doch morgen erst wieder hier sein?". Nun gut, Ansgar lief halt ein wenig schneller und machte die 45 km halt in zwei Tagen. Eigentlich ja 1,5 da er ja tags zuvor erst Mittags loslief. Großer Respekt. Und das bei der Jahreszeit. Nach dem Motto wer rastet, rostet gesellte er sich am nächsten Tag gleich wieder zu uns und zu dritt ging es den Wilcox Trail entlang. Eigentlich war der Sulphur geplant, aber der war closed. Nach 6 Stunden und 15 km hatten wir es geschafft und unsere Mission für diesen Tag erledigt. Mission??? Ja, genau. Im Hostel war nämlich noch "Shawn" aus Red Deer (Alberta), der davon überzeugt war, dass Claudia und ich Spione waren und einen Auftrag zu erledigen hatten. Was haben wir Spaß gehabt. Ich hau mich jetzt noch weg. Da fällt mir ein. Wo ist Bennooooo??? Der tauchte beim Lagerfeuer auf, keiner weiß wo er herkam und keiner weiß wo er gegen Mitternacht hinging. Er hatte nur die Gabe ins Feuer zu fallen, nachdem er zu tief ins Glas geschaut hatte und sich keine Verbrennungen zuzuziehen. Es war eine unbeschreiblich schöne Zeit in den Rockies, danke an alle die dabei waren. Bitte mehr davon.
Ich gehe jetzt erst einmal für 14 Tage auf eine Farm. Bin gespannt was mich da erwartet. Ich werde berichten und dann kommt ja schon mein big Brother zu Besuch.
bis denne
eure Lilli

Mittwoch, 5. Oktober 2011

Nur der Polarbär fehlte

Irgendwie finde ich für das alles hier keine Worte. Am Donnerstagmorgen machte ich mich auf den Weg mit meinem rentawreck nach Dawson City. Die kaputte Windschutzscheibe wird schon irgendwie halten. Etwas über 500 km hatte ich vor mir. Kein Problem für Lilli on Tour. Über sieben Stunden dauerte die Tour, da ich ständig an den Blinker kam und dies jedesmal nutzte die Aussicht in diesem Moment zu genießen. In Dawson City checkte ich dann im Hostel von Dieter, einem Deutschen Auswanderer ein. So ein Hostel gibt es glaub ich nur einmal auf der Welt aber ein Hostel wie es viele gibt, würde zu Dieter auch nicht passen. Das meine ich aber nicht böse. Ich unterhielt mich an diesem Abend noch lange mit dem Besitzer, der während des kanadischen Winters oft verrückte Radtouren durch die ganze Welt macht. Eigentlich wollte ich noch den Top of the world HWY ein wenig fahren, aber das verschob ich auf den folgenden Tag. Ich hoffte den zu erleben, denn die Nacht war ziiiiiiemlich kalt, es gab hier nämlich weder Strom noch ne Heizung. Und so schlief ich eingemurmelt mit Handschuh und Mütze ein. Ohne Erfrierungen wachte ich auf und der einzige Gast außer mir, ein älterer Kanadier brachte mir einen frischen Café vorbei. Dann machte ich mich auch schon auf den Weg. 20 km Top of the world. Trotz Wolken - fantastisch. In meinen Händen hielt ich den ersten kanadischen Schnee. Nach der Rückkehr fuhr ich mit der kleinsten Fähre, die ich bisher gesehen hatte auf die andere Seite, fuhr noch auf den Midnight Dome, der leider auch viele Wolken hatte, hoch und auf der Abfahrt noch einmal in einen Seitenweg rein. Das war aber ein wenig heikel, denn hier war keine Straße, sondern ein Sandweg mit mega Rillen und Schnee. Wenden war hier nicht möglich also im Rückwärtsgang das ganze nach einiger Zeit, als ich dann doch bissl Muffensausen bekam, wo mich der Weg hinführt und ob ich hier wieder rauskomme. Das ich auch immer so neugierig sein muss. :-) Die nächste Zwischenstation war Bonanza Creek. Ich fand zwar kein Gold und bin geldmäßig dadurch jetzt nicht reich, aber ich bin seit Tagen eh reich an Glücklichseligkeit. Das ist doch viel mehr wert, oder? Kurz vor der Wiedereinkehr im Hostel in Whitehorse erkundete ich noch den Five Finger Rapids Trail und traf in der Dämmerung auf zwei Moose und sechs Elk entlang des Klondike HWY. Wieder "daheim" so fühlt man sich wirklich bei Nancy im Beez Kneez, wurde ich schon erwartet. Susann, auch aus Old Germany hatte für die nächsten zwei Tage eine Reisegruppe organisiert. So hatte ich am Samstag nach Skagway - Alaska neben ihr noch zwei Neuseeländerinnen und einen Australier als nette Begleitung. In Skagway war zwar nicht viel los, aber der Weg dahin war schon grandios. Da hatte man dann auch schnell vergessen, dass die Grenzbeamten nicht zur lockeren Sorte Mensch gehören. Wieder sahen wir Moose und diesmal auch einen Schwarzbären. Nur der Polarbär fehlte halt. Aber das wäre wohl auch zu viel des guten gewesen.
Am darauffolgenden Tag ging es in die andere Richtung - in den Kluane National Park zur Hiking Tour. Wieder mit Susann und dem Australier und Steffi aus der Schweiz und Claudi aus Bremen. Leute was ich hatte ich für Schiss. Nicht vor den Bären, die hier leben, wir sind den King´s Throne gelaufen. Der war sooooo steil und mit Schnee bedeckt. Von der Kondition her null Problem aber ich mit meinem Kopp, ich machte mir echt Gedanken wie ich hier wieder runterkommen sollte. Aber ich wollte unbedingt da hoch. Dieser verdammte Ehrgeiz. Rob, der Australier gab mir freundlicherweise noch einen seiner Hiking Stöcke, womit ich mich wesentlich sicherer fühlte. Ich weiß nicht wie aber ich kam bis auf einen blauen Fleck heile wieder unten an. Dann ging es wieder Richtung Whitehorse und Rob bekochte uns an diesem Abend. Leider konnte ich nicht mit dabei sein, da auf mich schon das nächste Event wartete. Northern Lights. Die leckeren Cookies der Northern Tales Company haben mich vor dem verhungern bewahrt. Danke auch an Tom für die nette Unterhaltung an dem Abend. Um 23.30 Uhr ging das Tanzen der Lichter am Himmel los. Nach getaner Arbeit ruhten sie sich ein wenig aus und kamen um 1.30 Uhr noch einmal in voller Breite zurück. Gut, dass keine Fliegen unterwegs waren, ich hätte sie alle verschluckt.
Nach einer kurzen Nacht ging es zum Sled Dog. Da noch kein Schnee in Whitehorse liegt, wurden die Schlittenhunde vor einen ATV gespannt. Viele wissen, wieviel Respekt ich schon als Kind vor Hunden hatte und wenn ihr mich dort gesehen hättet, ihr wärt vom Glauben abgefallen. Ich habe die Hunde sogar aus meiner Hand fressen lassen.
Den letzten Tag im Yukon verbrachte ich mit einem kleinen 5 km Spaziergang - dem Millenium Trail und einer Wildlife Preserve Tour. Leider konnte ich die Tour nicht so genießen, da ich vergessen hatte, die Migräne in Deutschland zu lassen.
Nun bin ich vor einiger Zeit in Vancouver wieder gelandet, hab mir einen Mietwagen geholt und starte so langsam Richtung Rockies. Vielleicht treffe ich ja auch hier auf so nette Gesellschaft wie ich sie im Yukon hatte. Es war spitze mit euch und sollte ich mich noch einmal in den Yukon verirren, Stefan dann fahren wir mal ne Runde Rad zusammen aber nur gerade oder bergab. :-)
bis bald
eure Lilli

Donnerstag, 29. September 2011

Willkommen in der Einsamkeit


Mittlerweise bin ich im Yukon gelandet und hier ist es a....kalt. Naja ist ja nicht mehr weit bis Alaska, ne?! Die Einsamkeit lässt grüßen. Übrigens habe ich noch nie auf einem Inlandsflug soviel zu essen bekommen, wie hier. Großes Lob an Air North. Am Flughafen musste ich 30 min warten, bis wohl das einzig existierende Taxi in Whitehorse mich mitnahm. Nach dem einchecken im kleinen aber feinen Hostel, erkundigte ich noch die Stadt - total krasses Gegenteil von Vancouver - und sah mir den größten Schaufelraddampfer S. S. Klondike, der auf dem Yukon unterwegs war, an. Den heutigen Tag verbrachte ich auch noch einmal in der Stadt und reservierte mir ein Auto für die nächsten vier Tage. In Sachen Vermietungsstationen besteht hier übrigens noch Bedarf finde ich. Morgen geht es für mich dann also nach Dawson City für zwei Tage. Und dann folgen weitere in Whitehorse und Umgebung. Was ich so auf der Agenda habe, wird aber noch nicht verraten.
Doch was ist eigentlich in den letzten Tagen in Vancouver passiert? Den Cypress Provincial Park nahm ich gleich zweimal in Angriff. Der erste Versuch mit den öffentlichen klappte nicht so wie ich es mir vorgestellt habe. Zunächst übersah mich der Busfahrer wohl an der Haltestelle und so verzögerte sich die Anreise um eine Stunde. Als ich dann so nah wie möglich am Park dran war, waren es immer noch 2,5 Kilometer bis zum Einstieg. Ja genau nach 2,5 Kilometern, vielleicht sind es direkt auch weniger :-), aber Lilli musste ja erstmal zwei / drei Mal falsch laufen, ging es bergauf Richtung Park. Lilli lief und lief und lief und irgendwie nahm das alles kein Ende. Am Kilometerschild 2,5 kehrte ich um. Das war wohl nix. Doch irgendwie wollte ich mich nicht damit zufrieden geben, also mietete ich mir einen Tag später ein Rad. Über die Lions Gate Bridge ging es nach West Vancouver und dann die 21st Street immer bergauf. Shit ist das steil. Oben angekommen durfte ich mit dem Rad auf den HWY 1. Das ist hier nämlich nicht verboten. Ausfahrt Park raus und dann immer bergauf. Ich hatte nicht etwa ein Rennrad oder ein gutes MTB. Nee ich hatte irgendein olles Ding, wo nach einigen Kilometern schon die Schaltung nicht mehr richtig lief. Nach 5 km ein Aussichtspunkt - Rast und Shirt trocknen. Der Rücken war klitschnass. Nicht nur das die Sonne von oben knallte, ich hatte auch noch nen mega Rucksack auf dem Rücken, der durch das Bügelschloss, was ich unbedingt vom Radvermieter aus mitnehmen sollte, um geschätzte 3 kg erschwert wurde. Irgendwann ging es weiter. Da eine Picnic Area. Aber wenn man kein Picnic dabei hat, kann man logischerweise kein Picnic zu sich nehmen. Und das wo ich mittlerweile richtig Hunger hatte. Aber oben soll ja ein Cafe sein und oben muss ja gleich sein, weil das Internet ja von 8 km Anfahrt berichtete. Es folgte km 8, 9, 10, 11 und 12. Aufgeben wollte ich ca. 20 Mal aber mein Ehrgeiz ließ mich weiterkurbeln. Die 2 km bis zum Cafe was jetzt ausgeschildert war, schaff ich nun auch noch. Sie erreichen jetzt die Cypress Ski Area. Ah ja. 14 km von 0 auf 910 NN. Ich bin schon ein bissl stolz auf mich. Doch dann das unfassbare. Das Café hat nur am Wochenende und in den Ferien geöffnet. Gut das wir Dienstag haben und keine Ferien. Aber rückzu ging es ja bergab. Ich überlebte die ca. 75 km Tour ohne bleibenden Schäden.
Die kanadischen Nachwuchsradsportler beobachtete ich beim Training auf der Radrennbahn in Burnaby und zwei Tage später war ich Gast beim Crossrennen im New Brighton Park. Meinen Plan am Montag noch nach Richmond zu fahren, chancelte ich aufgrund des Starkregens. Ich schaffte es durchgeweicht bis in die Bibliothek, kämpfte mich da durch die Gegebenheiten um meine Flugtickets zu drucken und bereitete anschließend nur noch meine Abreise vor. Ein wenig Wehmut war an dem Tag dabei, hatte doch mein Bruder seinen 40. Geburtstag und ich konnte mit ihm nicht feiern. Aber es sind ja nur noch 5 Wochen bis zu seinem Besuch hier.
Meine neuen Hostelzimmerpartnerinnen aus Deutschland waren von der eher unkommunikativen Sorte. Aber mit der einen wollte ich auch gar nicht weiter sprechen. Wenn ich das Zimmer schon mit Wörter wie "fuck" betrete, weil mir das Zimmer zu klein ist, bin ich nicht gewillt, meine Zeit mit solchen Leuten zu vergeuden. Ein zweiter Satz einen Tag später ging auch in diese Richtung - ihr gefiel der Fernseher nicht an dem Platz wo er stand und ich schämte mich für diese deutsche Person. Als Britta auf Vancouver Island weilte, bekam ich eine neue auf´s Zimmer, aber sie wollte wohl auch weniger sprechen. Witzig fand ich einen Abend als Misses "Fuck" auf Englisch bei der anderen Mitbewohnerin nachfragte, ob sie das Licht ausmachen könnte. Sie hatten sich also nicht mal vorgestellt und gewusst, dass sie beide aus Deutschland waren. Ohne Worte.
Wenn ich in den nächsten Tagen nicht erfroren bin, gibt es in einer Woche wieder was zu lesen. Also haltet durch, ich mache es auch.

Lilli

Montag, 19. September 2011

Die etwas andere Busfahrerin


Hier kommt mal wieder ein Lebenszeichen von mir. Die letzten Tage auf Vancouver Island habe ich mit dem Besuch der Witty´s Lagoon, einer Radtour entlang des Galopping Goose Regional Trail und einer Tour durch den Goldstream Provincial Park verbracht. Der Sommer war weiter an meiner Seite und ich habe jede Minute auf dieser Insel genossen. Mein Hostel - ich hatte nach meiner viertägigen Autotour mal ein anderes in Victoria ausprobiert war top und so konnte ich auch nachts immer wieder ordentlich meinen Akku für den nächsten Tag aufladen. Meine Kleidung hat übrigens den ersten Waschgang bekommen. Meine Güte ich glaub die Kanadier haben alle keine Waschmaschine zu Hause. In der Laundry waren soviel Anlagen und alle waren besetzt.
Am Samstag mittag machte ich mich auf den Weg zurück nach Vancouver. Auf der Fähre bekam ich dann mit, dass es am Vortag ein Erdbeben auf der Insel gegeben hat. Das war dann von Victoria doch ein paar Kilometer entfernt und im Meer, sodass wohl nicht viel an Land passiert ist. Auch in Vancouver nahm ich ein anderes Hostel als zu Beginn, was sich als gute Wahl herausstellte. Am Abend lief ich noch in das olympische Dorf und hatte irgendwie das Gefühl, dass ich hier gerne live dabei gewesen wäre. Es hatte nämlich so schon was und wie war das wohl, wo hier die Athleten wohnten. Mit auf dem Hostel-Zimmer habe ich dann Britta aus Heidelberg bekommen. Nettes Mädel. Wir bekamen für drei Tage noch ein französisches Mädel dazu, dann für eine Nacht noch eine Deutsche und jetzt für drei Tage also bis morgen eine sympathische Japanerin. Ich halte hier noch einige Tage die Stellung, da ich noch einiges auf dem Plan habe, was ich mir hier ansehen möchte, Britta macht Mittwoch die Fliege gen Vancouver Island. Langsam hält jetzt der Herbst Einzug. Es hat schon einige Male hier geregnet. Aber selbst da lebt die Stadt. Gestern war ich zum Beispiel morgens hier um die Ecke im Rogers Centre und habe mir das erste öffentliche Training der Canucks angeschaut. Mein Gott wieviel Zuschauer schon beim Training dabei sind. Wie auf dem Foto zu erkennen, war ich auch schon sportlich unterwegs. Mit dem Rad habe ich den Stanley Park erkundet. Ansonsten bin ich glaub zu Fuß ganz Vancouver schon abgelaufen, war im Museumsdorf in Fort Langley - der Geburtsstadt von British Columbia und im Lynn Canyon Park. Apropos Fort Langley. Ich fang schon an zu lachen, wenn ich an diesen Tag denke, obwohl mir da zwischendurch gar nicht zu lachen zu Mute war. Britta konnte jedenfalls nicht einschlafen, so hat ihr Zwerchfall wehgetan, nachdem ich ihr die Story erzählt hatte. Ich bin mit dem Skytrain bis zur Endhaltestelle Prince George in Surrey gefahren. Soweit so gut. Hab dann ne Weile nach dem Bus Rtg. Langley Zentrum gesucht, diesen aber alsbald gefunden. Anschließend musste ich noch einmal in einen anderen Bus umsteigen und diesen lenkte eine Frau, die nie und nimmer ne Freundin von mir werden wird. Ich bat sie beim Einsteigen mir doch Bescheid zu sagen, wann ich aussteigen muss, um in dieses Museumsdorf zu gelangen. Sie bejahte das ganze auch noch. Also setzte ich mich auf meine vier Buchstaben und wartete und wartete und wartete und wartete. Plötzlich waren wir auf einem P+R Parkplatz. Hmmmh. 100 % ist das der Parkplatz, wo ich auf der Rücktour umsteigen muss also waren wir schon viel zu weit. Glücklicherweise fuhren wir die selbe Strecke zurück und so stieg ich einfach im Zentrum von Fort Langley aus, in der Hoffnung, dass dieses Museumsdorf nicht weit weg ist. Die Entscheidung war goldrichtig. Nachdem ich mit meiner Tour durch war, kam was kommen musste. Ich wartete auf den Bus und wer hatte immer noch Dienst??? Der Bus hielt, die Türen öffneten sich und ich wollte einsteigen. Dazu kam es aber zunächst nicht. Kaum hatte ich mein Bein angehoben um die Stufe zum Bus zu betreten, wurde ich von der Fahrerin angeranzt. Hä? Wat will die? Ich muss hier mit. Bis ich auf einmal eine Person sah, die aussteigen wollte. Ja kann ich wissen, das man in Kanada erst aufsteht, wenn der Bus schon steht und die Türen schon ne Minute offen sind? Ich stieg dann irgendwann noch ein und da alle Sitzplätze belegt waren, blieb ich stehen. Rums. Der nächste Spruch: "Behind the red line". Ja ist ja schon gut. Da gab es nämlich eine rote Linie und vor dieser ist der Fahrerbereich und wo stand Lilli? Mit dem halben Fuß über dieser Linie. Ich ging also einen Schritt zurück und schon meckerte die Tante wieder. Ich solle mit meinem Rucksack aufpassen, die anderen Passagiere nicht belästigen. Sag mal hast du irgendwie schlecht geschlafen letzte Nacht waren meine Gedanken. Der Bus setzte sich dann endlich in Bewegung und die fünf Minuten, die Mutti schon Verspätung an der Haltestelle hatte, wollte sie offensichtlich ohne Rücksicht auf Verluste wieder aufholen. Mit dem Bus voller Schüler nahm sie die Kurven samt Bordsteinkante, fuhr 30 km/h schneller als erlaubt und ich dachte schon, das war es gleich. Doch unverletzt erreichte ich den P+R und war froh, diesen Bus verlassen zu dürfen. Leute gibbet, die gibbet gar nicht. Also merke: Nicht alle Kandier bzw. Kanadierinnen sind freundlich. Die Mehrzahl ist es aber. Da steht man z. B. nicht mal ne Minute an einer Infotafel und sofort kommt jemand und fragt ob er weiterhelfen kann. Solche kleinen Geschichten machen die Reise aber erst zu einer unvergesslichen Reise und deshalb bin ich im Nachhinein froh, dass ich das erlebt habe.
Ich denke das nächste Mal melde ich mich aus Whitehorse. Von da aus ist es nicht mehr weit bis Alaska.
Passt gut auf euch auf und liebe Grüße
eure Lilli

Donnerstag, 8. September 2011

Hello from Victoria


Nun nehme ich mir mal die Zeit und berichte über die ersten Tage hier in Canadia. Das Land ist einfach unglaublich und das ein oder andere Mal musste ich mich schon kneifen um zu realisieren, dass ich nicht träume.
Am Dienstag, 30. August bin ich nach knapp 16 Stunden Reise im Hostel in Vancouver angekommen. Ich war ziemlich platt, aß noch ne Kleinigkeit und war alsbald im Bett verschwunden.
Tags darauf ging ich zunächst zum Canadian Office um meine Social Number zu beantragen, damit ich wenn mein Geld empty ist, Geld verdienen gehen kann. Anschließend ging es zur Hafenbesichtigung. Leider war dieser Ausblick wolkenverhangen. Doch das änderte sich im Laufe des Tages. Nach einem langen Spaziergang rund um den Stanley Park immer am Wasser entlang, einem Kurztrip nach Granville Island, ließ ich den Tag am Meer im Gras bei strahlendem Sonnenschein ausklingen. Ach ja im Aquarium war ich auch. Aber eingesperrte Tiere zu sehen sind nicht wirklich reizvoll für mich.
Nach Vancouver Island, genauergesagt Victoria mittels Fähre ging es am Donnerstag. Eine kurze Stadtbesichtigung und chillen.
Am vierten Tag des Kanadaaufenthaltes fuhr ich mit dem Bus in den Butchart Garden. Sooooviel Blumen. Das hätte Mama und Papa auch gefallen. :-) Etwas später am Tag besichtigte ich noch das Parlamentsgebäude in Victoria, den Hafen und Chinatown. Chinatown war aber eher winzig zu den Chinatown´s die ich kenne.
Ich entschied mich ab Samstag die Insel mittels Auto zu erkunden. Mit dem Bus ist das zwar finanziell günstiger, aber ich kann halt nicht mal eben nach rechts und links abbiegen, wenn mir danach ist. Auf etwas zu verzichten, weil ich dadurch Geld spare? Hey, ich lebe nur einmal und ich bin jetzt hier. Und ich bin ja hier um die Zeit zu genießen und will das Land entdecken. Und so kam es dann auch, das meine Reisebegleitung, mit der ich die ersten Tage unterwegs war und ich uns trennten. Unsere Vorstellungen waren einfach zu unterschiedlich. Ich fuhr am Samstag morgen Richtung Nanaimo immer am Meer entlang mit Zwischenstop an verschiedenen Aussichtspunkten. In Nanaimo checkte ich in ein niedliches Hostel ein und fuhr von dort mit der Fähre nach Gabriola Island. Etwas über drei Stunden spazierte ich über die Insel. Wunderwunderschön. Das Wetter war wie schon in den letzten Tagen spitze.
Tofino muss man unbedingt gesehen haben, sagte mir über Skype Zweitpapa Jürgen. Also los Lilli auf geht´s. Durchfahren - no way. Erster Stop Cathedral Grove auch McMillan Provincial Park genannt. 800 Jahre alte Douglasien mit bis zu neun Metern Umfang kann man hier unter anderem bestaunen. Zweiter Stop - Port Alberni. Am Hafen erklärte mir dann ein Mann, warum er an Gott und die Kirche glaubt. Gut, dass ich doch vom Vokabular noch einige Lücken im Englischen aufweise. Weiter ging die Reise bis mir der Kennedy River auffiel. Also rechts ran und über die Steine klettern. Ein paar Mutige stürzten sich von den Klippen ins kalte Nass und als ich so drei Stündchen in etwa da saß, lernte ich auch Philip und seinen Freund aus Quebec kennen. Okay kennengelernt ist ein wenig zuviel gesagt, aber egal. Die beiden verabschiedeten sich irgendwann und meinten: "see you". Ich weiß, das sagt man so aber ich dachte mir so "see you", "bye" wär wohl treffender gewesen. Doch dann passierte es am Abend, das in Tofino plötzlich Philip vor mir stand und mich auf einen Drink überredete. Krass. Als es langsam dämmerte musste ich aber los. Ich hatte ja noch keine Unterkunft. Da in Tofino nix zu finden war bzw. die Preise jenseits von gut und böse waren, fuhr ich nach Ucluelet. Und? Zwischenstop am Long Beach - 11 km langer Sandstrand. Sonnenuntergang beobachtet und weiter. Mittlerweile war ich richtig platt und müde und dann war es mir auch egal, das auch hier die Motels expensive waren. 119 Dollar. Was kostet die Welt. Doch ich habe bombastisch geschlafen.
Am nächsten Morgen ging es noch einmal an den Long Beach und den Combers Beach. Wahnsinn wie warm das Wasser warm und die Aussicht und und und. Gegen Mittag brach ich nach Campbell River auf. Lilli musste aber sich zwischendurch noch die Qualicum Falls besichtigen. In Campbell River ergatterte ich eine Unterkunft für 56 Dollar und begab mich Abend noch auf die Suche nach diesem Supermarkt wo es die lecker gebratenen Hähnchen geben sollte. Jüüüüüüüüüürgen, ich hab den Markt nicht gefunden. War das wirklich in Campbell River????
Nun hieß es zeitig aufstehen. Die Orca- und Bärentour stand an. Leute es war einfach traumhaft. So genial, ich hatte Tränen in den Augen. Wir haben soviele Orca´s gesehen, Delphine, Eagle´s. Dann ging es mit dem Bus weiter auf "Bärenjagd". Nirgends waren zunächst die Grizzly´s zu sehen und als wir schon fast aufgegeben haben, kamen doch noch zwei. Gänsehautfeeling. Man steht da, beobachtet wie sie sich die Fische schnappen, vernaschen, durch´s Wasser huschen. Vergesst den Zoo oder irgendwelche Safariparks. Man kann diese Erlebnisse nicht in Worte fassen, man muss sie erleben!!! Auf der Rücktour mit dem Boot wurden wir von Orca´s noch einmal überhäuft. In Vierer- und Fünfergruppen. So gewaltig. Nach neun tollen Stunden waren wir zurück im Hafen. Was für ein Tag. Ich fuhr noch 200 km zurück bis nach Duncan, übernachtete hier und schaute mir am Morgen die Stadt an - City of Totems. Kurz nach 8 Uhr gab ich das Auto wieder ab und entschied mich für einen chilligen Tag, um alles mal ein wenig sacken zu lassen. So saß ich gestern lange im Starbucks bis ich durch einen Feueralarm des Hauses mehr oder weniger verwiesen wurde. Im Nachbargebäude hat wohl irgendwas geschmort.
Ich werde jetzt noch ein paar Tage auf Vancouver Island bleiben, mir das ein oder andere noch anschauen und dann werden wir sehen wo es mich hinverschlägt.
greets from Canadia
Lilli

Samstag, 20. August 2011

Endspurt


Nun sind es nur noch zehn Tage. Puh. Die Aufregung steigt, aber bei den vielen guten und herzlichen Wünschen, die ich gestern an meinem letzten Arbeitstag erhalten habe, wird schon alles schief gehen.

Tja elf Jahre EPM Assetis sind Geschichte. Irgendwie schon ein komisches Gefühl. Wenn da nicht die ein oder andere Person immer wieder mit Pfeilen geschossen hätte, wenn manche Dinge von oben besser durchdacht gewesen wären, dann wäre alles wunderbar gewesen. Aber das Leben ist kein Wunschkonzert und Mama sagt immer: Kind, die heile Welt, die du dir wünscht, die gibt es nicht. Trotz alledem, ich hatte ne tolle Zeit und vor allem fantastische Kollegen und coole Leute auf Auftraggeberseite. Am kommenden Freitag gibt es noch mal ne Grillparty am Rhein und dann heißt es "Goodbye Germany".

Dieses Wochenende verbringe ich mit meinem Sportler Kim noch mal auf zwei Rennen, ehe Sonntag Abend meine Eltern auf einen Kurzbesuch eintrudeln.

Ansonsten habe ich wohl alles beisammen für mein Abenteuer. Der DHL Typ hat grad meine letzten Reiseführer gebracht, durch meine (Ex) Kollegen bin ich auch finanziell abgesichert und dank Anne werden mir auch in Alaska die Ohren nicht abfrieren. Es kann also losgehen. :-)

bis denne

Freitag, 29. Juli 2011

Die letzten Tage ....



....vor meiner Ausreise sind angebrochen. Genauer gesagt ist es jetzt noch ein Monat bis zum Abflug. Drei lange Woche muss ich noch arbeiten und dann ist Freizeit angesagt.

In den letzten Wochen gab es bei mir selten Langeweile. Eigentlich nix ungewöhnliches bei mir. Über Himmelfahrt war ich in der Heimat, nahm Termine bei der Bausparkasse und meiner Versicherung wahr und kam somit auch wieder ein Stück in der Organisation meiner laaaaaaaangen Kanadareise voran. Mit dem Grönemeyerkonzert im Olympiastadion in Berlin nahm das verlängerte Wochenende einen tollen Abschluss.

Die folgenden zwei Wochenenden verbrachte ich an der Rennstrecke. Da musste ich ja auch mal wieder blicken lassen. Am letzten Juniwochenende hatte ich an der Semperoper in Dresden ein Date mit David Garrett. Okay paar andere Hundert auch, aber ich glaube er hat nur für mich gefiedelt.

Im Juli erhielt ich abermals die Einreisegenehmigung in die Hauptstadt im Rahmen der deutschen Bahnmeisterschaften. Ich nutzte die Zeit um mich mit alten Freunden zu treffen und mir das geniale Musical "Hinter dem Horizont" anzusehen. Einfach nur klasse.

Meinen Gutschein für ein Wochenende in Bremerhaven, den ich von Rolando vor glaube ich drei oder vier Jahren geschenkt bekommen habe, löste ich am vergangenen Wochenende ein. Das Wetter war nass und windig, aber das gehört sich ja so für eine Stadt im hohen Norden, oder?

Vorgestern flog ich dann mal eben am Nachmittag nach Berlin zum Fußballspiel Hertha gegen Real Madrid. Ausverkauftes Stadion und Gänsehautstimmung. Ronaldo zauberte und seine Mannschaft war dieses Mal "noch" eine Nummer zu groß für uns. :-)

Von meiner großen Reise werde ich mich hier ab und an melden. Also haltet die Ohren steif und bis bald.

Eure Lilli